Niedriger Ölpreis setzt Förderländer und Ölfirmen unter Druck

Foto: Javier Blas / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

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Die Prognosen der Ölförderländer für den Ölpreis werden aufgrund der aktuellen Entwicklungen immer unzuverläßiger. Für das Jahr 2015 rechneten sie mit einem durchschnittlichen Ölpreis pro Barrel von 95 Dollar, doch der tatsächliche Durchschnittspreis lag bei 49 Dollar pro Barrel.

"Die Kombination aus verstärkter Schieferölförderung in den USA und einer weltweit stagnierenden Ölnachfrage führte zu einem Überangebot und somit zu sehr niedrigen Ölpreisen", erklärt Walter Pfeiffer, Partner von Roland Berger. Auch die Forschungsinstitute wurden davon überrascht und setzten den erwarteten Durchschnitts-Ölpreis für 2015 zu hoch an, so das Ergebnis der neuen Roland Berger-Studie "2016 oil price forecast: who predicts best?". Darin analysieren die Roland Berger-Experten die Preisprognosen der größten Ölförderländer und Institutionen seit 2007.

Bei den Prognosen der Ölförderländer spielen politische Faktoren eine sehr wichtige Rolle. Denn die Regierungen nutzen diese Prognosen als politisches Instrument; deshalb setzen sie die prognostizierten Ölpreise absichtlich hoch an. "Wenn die Förderländer einen niedrigen Ölpreis vorhersagen, müssen sie auch ihre Staatshaushalte kürzen", erläutert Pfeiffer. "Das ist den Bürgern nicht immer leicht zu erklären. Nachdem der Ölpreis jetzt jedoch seinen niedrigsten Stand seit dreizehn Jahren erreicht hat, sind Haushaltskürzungen unausweichlich - und leichter zu begründen."

Niedriger Ölpreis setzt Haushalt der Förderländer unter Druck

Die aktuelle Ölpreisentwicklung zeigt große Ähnlichkeiten zur Lage im Jahr 1986. Auch damals war der Ölpreis sehr niedrig, allerdings nicht aufgrund einer Rezession. Damals überfluteten die OPEC-Länder den Markt mit Öl und sorgten so für ein Überangebot, mit dem Ziel Marktanteile von Russland zurückzugewinnen. Heute haben Länder wie Saudi-Arabien beschlossen, die Fördermengen unverändert zu belassen, um keine Marktanteile an die USA zu verlieren. "Ein kurzfristiges Überangebot wirkt sich im Allgemeinen nicht auf den Ölpreis aus", sagt Pfeiffer. "Aber inzwischen wird bereits seit siebzehn Monaten täglich ein Überschuss von rund 1,8 Millionen Barrel gefördert."

Die Frage ist, wie lange dieser Preistief anhalten wird. Für 2016 prognostizieren die Internationale Energieagentur (IEA), der New York Mercantile Exchange (NYMEX) und die amerikanische Energy Information Administration (EIA) einen leichten Anstieg des Ölpreises auf rund 46 Dollar pro Barrel. Die Ölförderländer rechnen für ihre Haushalte jetzt mit 38-53 Dollar. Um den Ölpreis vom heutigen Niveau auf 50 Dollar pro Barrel anzuheben, müssten sie den Überschuss loswerden, was angesichts der anhaltenden Wachstumsschwäche in China und den BRIC-Staaten sowie der Reduktion des Ölverbrauchs in vielen OECD-Ländern kurzfristig nicht zu erwarten ist. Alternativ könnte man die Förderung einschränken und so weniger Öl auf den Markt bringen. "Beim derzeitigen Ölpreis kämpfen die OPEC-Länder mit Haushaltsdefiziten", sagt Walter Pfeiffer. "Allerdings scheinen sich viele Ölförderländer darauf einzustellen, bei einem Ölpreis von weniger als 40 Dollar pro Barrel überleben zu müssen. So haben zum Beispiel die Verinigten Arabischen Emirate und Saudi Arabien die Subventionen für Kraftstoffe, Strom- und Wasserversorgung deutlich gekürzt und planen die Einführung einer Mehrwertsteuer. Auch über Privatisierungen wird nachgedacht."

Saudi-Arabien und weitere OPEC-Staaten kündigten vor kurzem an, die Ölförderung auf dem aktuellen Niveau einzufrieren. Diese Entscheidung in Kombination mit dem steigenden Angebot aus dem Iran und vom Kaspischen Meer wird weiterhin für sehr niedrige Ölpreise sorgen. "Unter diesen Voraussetzungen werden Unternehmen mit älteren Ölfeldern in der Nordsee sowie in Mittel- und Osteuropa genauso wie einige nordamerikanische Ölförderer auf radikale Umstrukturierungsmaßnahmen zurückgreifen müssen, um auf dem internationalen Markt zu überleben", sagt Roland Berger-Experte Pfeiffer. Kostensenkungen müssten dabei auf allen Ebenen ansetzen: vom Aussetzen der Exploration über die Überprüfung aller Investitionen bis hin zur Senkung der laufenden Betriebskosten und der Kosten von Ölfeld-Dienstleistern. "Auch eine temporäre Schließung von unwirtschaftlichen Feldern kommt in Frage, wenn die Förderkosten nicht dauerhaft gedeckt werden können", sagt Pfeiffer. "Und selbstverständlich muss auch die gesamte Organisation in den Unternehmenszentralen und Betriebsgesellschaften auf Effizienz ausgerichtet werden."



Quelle: ots/Roland Berger


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