#zeitfokus.

Freitag, 29 Mai 2020
Foto: Javier Blas / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)
 2-4 Minuten Lesezeit  610 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Die Prognosen der Ölförderländer für den Ölpreis werden aufgrund der aktuellen Entwicklungen immer unzuverläßiger. Für das Jahr 2015 rechneten sie mit einem durchschnittlichen Ölpreis pro Barrel von 95 Dollar, doch der tatsächliche Durchschnittspreis lag bei 49 Dollar pro Barrel.

empty alt
Foto: FlanellKamerasFilm / CC0 (via Pixabay)

Verfassungsschutz Niedersachsen setzt auf Aussteigerprogramme für Islamisten

"Die Kombination aus verstärkter Schieferölförderung in den USA und einer weltweit stagnierenden Ölnachfrage führte zu einem Überangebot und somit zu sehr niedrigen Ölpreisen", erklärt Walter Pfeiffer, Partner von Roland Berger. Auch die Forschungsinstitute wurden davon überrascht und setzten den erwarteten Durchschnitts-Ölpreis für 2015 zu hoch an, so das Ergebnis der neuen Roland Berger-Studie "2016 oil price forecast: who predicts best?". Darin analysieren die Roland Berger-Experten die Preisprognosen der größten Ölförderländer und Institutionen seit 2007.

Bei den Prognosen der Ölförderländer spielen politische Faktoren eine sehr wichtige Rolle. Denn die Regierungen nutzen diese Prognosen als politisches Instrument; deshalb setzen sie die prognostizierten Ölpreise absichtlich hoch an. "Wenn die Förderländer einen niedrigen Ölpreis vorhersagen, müssen sie auch ihre Staatshaushalte kürzen", erläutert Pfeiffer. "Das ist den Bürgern nicht immer leicht zu erklären. Nachdem der Ölpreis jetzt jedoch seinen niedrigsten Stand seit dreizehn Jahren erreicht hat, sind Haushaltskürzungen unausweichlich - und leichter zu begründen."

Niedriger Ölpreis setzt Haushalt der Förderländer unter Druck

Die aktuelle Ölpreisentwicklung zeigt große Ähnlichkeiten zur Lage im Jahr 1986. Auch damals war der Ölpreis sehr niedrig, allerdings nicht aufgrund einer Rezession. Damals überfluteten die OPEC-Länder den Markt mit Öl und sorgten so für ein Überangebot, mit dem Ziel Marktanteile von Russland zurückzugewinnen. Heute haben Länder wie Saudi-Arabien beschlossen, die Fördermengen unverändert zu belassen, um keine Marktanteile an die USA zu verlieren. "Ein kurzfristiges Überangebot wirkt sich im Allgemeinen nicht auf den Ölpreis aus", sagt Pfeiffer. "Aber inzwischen wird bereits seit siebzehn Monaten täglich ein Überschuss von rund 1,8 Millionen Barrel gefördert."

Die Frage ist, wie lange dieser Preistief anhalten wird. Für 2016 prognostizieren die Internationale Energieagentur (IEA), der New York Mercantile Exchange (NYMEX) und die amerikanische Energy Information Administration (EIA) einen leichten Anstieg des Ölpreises auf rund 46 Dollar pro Barrel. Die Ölförderländer rechnen für ihre Haushalte jetzt mit 38-53 Dollar. Um den Ölpreis vom heutigen Niveau auf 50 Dollar pro Barrel anzuheben, müssten sie den Überschuss loswerden, was angesichts der anhaltenden Wachstumsschwäche in China und den BRIC-Staaten sowie der Reduktion des Ölverbrauchs in vielen OECD-Ländern kurzfristig nicht zu erwarten ist. Alternativ könnte man die Förderung einschränken und so weniger Öl auf den Markt bringen. "Beim derzeitigen Ölpreis kämpfen die OPEC-Länder mit Haushaltsdefiziten", sagt Walter Pfeiffer. "Allerdings scheinen sich viele Ölförderländer darauf einzustellen, bei einem Ölpreis von weniger als 40 Dollar pro Barrel überleben zu müssen. So haben zum Beispiel die Verinigten Arabischen Emirate und Saudi Arabien die Subventionen für Kraftstoffe, Strom- und Wasserversorgung deutlich gekürzt und planen die Einführung einer Mehrwertsteuer. Auch über Privatisierungen wird nachgedacht."

Saudi-Arabien und weitere OPEC-Staaten kündigten vor kurzem an, die Ölförderung auf dem aktuellen Niveau einzufrieren. Diese Entscheidung in Kombination mit dem steigenden Angebot aus dem Iran und vom Kaspischen Meer wird weiterhin für sehr niedrige Ölpreise sorgen. "Unter diesen Voraussetzungen werden Unternehmen mit älteren Ölfeldern in der Nordsee sowie in Mittel- und Osteuropa genauso wie einige nordamerikanische Ölförderer auf radikale Umstrukturierungsmaßnahmen zurückgreifen müssen, um auf dem internationalen Markt zu überleben", sagt Roland Berger-Experte Pfeiffer. Kostensenkungen müssten dabei auf allen Ebenen ansetzen: vom Aussetzen der Exploration über die Überprüfung aller Investitionen bis hin zur Senkung der laufenden Betriebskosten und der Kosten von Ölfeld-Dienstleistern. "Auch eine temporäre Schließung von unwirtschaftlichen Feldern kommt in Frage, wenn die Förderkosten nicht dauerhaft gedeckt werden können", sagt Pfeiffer. "Und selbstverständlich muss auch die gesamte Organisation in den Unternehmenszentralen und Betriebsgesellschaften auf Effizienz ausgerichtet werden."



Quelle: ots/Roland Berger


#mehrNachrichten
Das einzige, was Remdesivir bisher gezeigt hat, ist, dass es die Krankheitsdauer um vier Tage verkürzt.
Foto: Dimitri Karastelev

Warnung vor Remdesivir-Zulassung als Corona-Medikament

Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, Wolf Dieter Ludwig, warnt vor einer schnellen Zulassung des Arzneimittels Remdesivir gegen Covid-19. „Wir wissen noch viel zu...
Der US-Präsident ist Ausdruck einer extrem gespaltenen Gesellschaft.
Foto: The White House / Public Domain (via Flickr)

USA befinden sich im "Kalten Bürgerkrieg"

Der Kieler Politikwissenschaftler Prof. Dr. Torben Lütjen bezweifelt, dass die Corona-Krise US-Präsident Trump zwangsläufig schadet. "Im Grunde hantiert er mit den gleichen Zutaten wie immer:...
Der Kampf gegen Corona ist so lange nicht gewonnen, wie er nicht weltweit erfolgreich ist.
Foto: Martin Sanchez

Global denken - lokal und flexibel handeln

Der Kampf gegen Corona ist so lange nicht gewonnen, wie er nicht weltweit erfolgreich ist. Da mutet es zunächst fremd an, wenn Deutschland den Weg nicht ins Globale, nicht ins Europäische, nicht ins...
Die Umlage diskreditiert die erneuerbaren Energien, weil die Kosten per Stromrechnung den Verbraucherinnen und Verbrauchern aufgehalst werden.
Foto: S. Hermann & F. Richter

SPD-Vize fordert Abschaffung der EEG-Umlage

SPD-Partei- und Fraktionsvize Matthias Miersch hat ein Ende der derzeitigen EEG-Umlage gefordert, mit der Verbraucher über den Strompreis die Energiewende finanzieren. "Wir müssen den Anstieg der...
Proteste in Minnesota, USA
Foto: Lorie Shaull / CC BY-SA 2.0 (via Wikimedia Commons)

Corona spaltet

Die Bilder aus Michigan ließen hiesige Zuschauer fassungslos in ihren Fernsehsesseln zurück. Schwer bewaffnete und paramilitärisch gewandete Gestalten stürmen das Parlamentsgebäude des...
Die Proteste in Hongkong hätten gezeigt, dass die Menschen in der Sonderverwaltungszone das Prinzip "Ein Land, zwei Systeme" und ihre Grund- und Freiheitsrechte nicht ohne Weiteres aufgeben werden.
Foto: Benjamin Diedering / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

FDP-Politikerin Jensen fordert Sanktionen gegen China

Die menschenrechtspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Bundestag, Gyde Jensen, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor dem Hintergrund der Proteste gegen die Sicherheitsgesetze in Hongkong...
Es sei "absolut vorbildlich, wie sich die junge Generation seit inzwischen mehr als zwei Monaten verhält.
Foto: Heinrich-Böll-Stiftung / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Habeck fordert Wahlrecht mit 16 als Anerkennung für "politische Reife" in Corona-Zeit

Grünen-Chef Robert Habeck hat das Verhalten von Jugendlichen in der Corona-Zeit gelobt und will sie durch ein Wahlrecht ab 16 Jahren stärker beteiligen. Es sei "absolut vorbildlich, wie sich die...
Back To Top