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Nordkorea: Trump fährt Achterbahn

Kim Jong-Un und Donald TrumpFoto: Dan Scavino Jr. / Public Domain (via Wikimedia Commons)

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Nordkorea: Trump fährt Achterbahn

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Die strategische Achterbahnfahrt in der Nordkorea-Politik des Präsidenten nimmt eine neue Wendung. Auf einmal hat Trump "keine Eile" mehr bei der nuklearen Abrüstung des Regimes in Pjöngjang, das nach Schätzung von Experten und Geheimdiensten bereits 65 Atomsprengköpfe besitzt.

Es könnten gut auch mehr sein - weshalb eine Inventarisierung bis vor Kurzem noch eine zentrale Forderung der USA war. Vor dem zweiten Gipfel mit Kim Jong-Un in Hanoi ist auch davon keine Rede mehr. Stattdessen gibt der US-Präsident eine überraschende Milde im Umgang mit dem brutalen Regime zu erkennen. Das ist nicht die erste scharfe Kehrtwende. Nachdem Trump Nordkorea 2017 vor den Vereinten Nationen noch mit der nuklearen Vernichtung gedroht hatte, erklärte er sich wenige Monate später ohne erkennbare Gegenleistung zu einem Treffen mit Kim Jong-Un bereit. Zum Entsetzen seiner eigenen Experten wertete er das Regime mit einem substanzarmen Schaufenstergipfel in Singapur auf. Er verschaffte dem Diktator die große internationale Bühne, die andere US-Präsidenten dem Vater und Großvater Kims aus gutem Grund verweigert hatten. Anschließend verkündete Trump, dank seines Verhandlungsgeschicks ginge von Nordkorea nun "keine nukleare Bedrohung mehr aus."

Diese Einschätzung teilen weder sein Nationaler Sicherheitsberater John Bolton noch im vollem Umfang Außenminister Mike Pompeo. Letzterer beantwortete am Wochenende gegenüber dem Nachrichtensender CNN die Frage, ob von Nordkorea weiterhin eine nukleare Bedrohung ausgehe, mit einem eindeutigen "Ja". Dennoch legt sich auch Pompeo in Trumps jüngste Steilkurve. Laut "New York Times" gibt der Außenminister nun intern die Parole aus, froh zu sein, wenn Pjöngjang "nur 60 Prozent" von dem aufgebe, was die USA einmal verlangt hätten. Gewiss ist die damit verbundene Hinwendung zu einer traditionellen Nordkorea-Politik ein willkommener Fortschritt. Nur Trump hat mit seiner unkonventionellen Gipfel-Diplomatie Kim einen wichtigen Anreiz genommen. Während dessen Vorgänger ein Treffen mit dem US-Präsidenten "verdienen" mussten, behandelt Trump den Diktator ohne Vorbedingung auf Augenhöhe.

Ganz besonders beunruhigt Analysten die Möglichkeit, Trump könne in Hanoi spontan weitere strategische Verhandlungsmasse vergeuden. Allen voran die Überführung des Waffenstillstands in einen Friedensschluss auf der koreanischen Halbinsel. Trumps Achterbahnfahrt in der Nordkorea-Diplomatie steht im krassen Gegensatz zu den klaren Einschätzungen der amerikanischen Geheimdienste. Diese haben dem Kongress in ihrer internationalen Bedrohungsanalyse gerade erst dargelegt, warum sie es für "höchst unwahrscheinlich" halten, dass Kim seine Atomwaffen aufgebe. Das Regime in Pjöngjang erkenne darin seine Überlebensstrategie, lautet die unmissverständliche Botschaft. Vor dem zweiten Treffen zwischen Trump und Kim stellen sich zahlreiche Beobachter die Frage, ob die einstmals erhobene Forderung nach einer "vollständigen, überprüfbaren nuklearen Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel" noch das Ziel der Nordkorea-Politik des US-Präsidenten bleibt. Es besteht der dringende Verdacht, dass Trump in Hanoi nicht viel mehr als einen zweiten Schaufenster-Gipfel abhält. Ein politisches Spektakel, das darauf abzielt, von seinen Nöten in der Russland-Affäre abzulenken und seinen narzisstischen Hunger nach Anerkennung zu stillen. Leider hat Trump damit nicht die Welt, sondern nur die Macht eines brutalen Diktators sicherer gemacht.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung

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