#zeitfokus.

Freitag, 29 Mai 2020
Foto: Kurdishstruggle / Flickr (CC BY 2.0)
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Sind die zwei Bombenanschläge in der Türkei innerhalb von zwölf Stunden nur Chaos oder schon Bürgerkrieg? Der furchtbare Tod von drei Dutzend Soldaten ist vor allem Ausdruck der extremen Verworrenheit des Syrienkonflikts. Wer auch immer dahintersteckt, er hat das Anrainerland noch ein Stück näher an den Krieg gerückt.

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Foto: Pexels / CC0 (via Pixabay)

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Gute Kräfte, böse Mächte: Die einfachen Erklärungen haben ausgedient. Weder geht es in Syrien allein um die Frontstellung Arabischer Frühling gegen Diktator Baschar al-Assad. Noch kämpfen regionale und internationale Mächte allein gegen die Kopf-ab-Horden des Islamischen Staates. Der seit Jahrzehnten anhaltende kurdisch-türkische Terror macht die Sache besonders kompliziert. Hier kommt die Verantwortung der Türkei ins Spiel, die diesmal eindeutig Opfer ist. Das Gespann Recep Tayyip Erdogan und Ahmed Davutoglu hat im Juli 2015 den Bruch des Waffenstillstands mit den Kurden hingenommen und führt im Südosten Krieg gegen PKK-Kämpfer, die getrost Terroristen genannt werden dürfen. Zugleich werden hunderttausende Zivilisten in der Region Diyarbakir mit monatelangen Ausgangssperren und massiver Polizeigewalt drangsaliert.

Allein diese Verhältnisse würden reichen, um Radikale zu den jüngsten Attentaten von Ankara, dem ungeklärten Anschlag mit 103 Toten bei einer Demonstration im Oktober ebenfalls in der Hauptstadt und dem Mord an elf Deutschen vor einem Monat in Istanbul zu treiben.

Nun herrscht aber nicht Friede jenseits der türkischen Grenze.

Stattdessen haben kurdische Milizen auf syrischem Boden einen breiten Streifen entlang der Südtürkei als Keimzelle ihres neuen Staates unter Kontrolle gebracht. Gestern hat Salih Muslim, inoffizieller Sprecher dieser Milizen, geschworen, die YPG genannten Volksschutzeinheiten hätten noch nie auf türkischem Staatsgebiet zugeschlagen. Der Mann muss sich den Rücken freihalten, deshalb dürfte das sogar stimmen.

Der Schwur gilt aber nur bis zu dem Tag, an dem auf syrischem Boden die Waffen schweigen. Dann könnten sich die nach Süden orientierten Kämpfer um 180 Grad drehen und mit ihren vielen neuen Waffen den türkischen Südosten ins Visier nehmen. Aus nationaltürkischer Sicht zeigt der Tod der Soldaten am Mittwoch und am Donnerstag den USA und auch Deutschland, dass die kurdische Landnahme in Syrien - und im Nordirak - ein Hindernis für Frieden in der gesamten Region ist.

Insofern nutzen die Attentate dem wutschnaubenden Erdogan sogar. Tatsächlich stehen die syrischen Kurden unter dem Schutz Assads und Russlands. Allein das verhindert bislang, dass Erdogan seine Bodentruppen über die Grenze nach Süden vorrücken lässt. Fazit: Eine überzeugende Erklärung für die jüngsten Bombenschläge gibt es genauso wenig wie einen brauchbaren Friedensplan für Syrien.



Quelle: ots/Westfalen-Blatt


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