#zeitfokus.

Dienstag, 31 Mär 2020
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Polen: Die wertvollste Reparation ist die Europäische Union. Soll der polnische Staat Milliarden Euro erhalten, als Ausgleich für die Gräueltaten während des Zweiten Weltkriegs? Darüber wird nicht nur hierzulande an den Stammtischen und in sozialen Netzwerken hämisch diskutiert. Genauso unwürdig sieht es in Polen aus. Dabei gibt es auf Schuld und Sühne keine leichten Antworten. Denn Geschichte ist sehr komplex. Vor 70 Jahren einigten sich die Diktatoren und Massenmörder Hitler und Stalin in einem Geheimvertrag darauf, Polen und andere osteuropäische Länder unter sich aufzuteilen. Nur wenige Tage später, am 1. September 1939, überfielen deutsche Truppen Polen. Die Soldaten Stalins folgten 17 Tage später von der östlichen Seite her. Verträge schließen weitere Zahlungen Deutschlands aus. Dass Nazi-Deutschland Auslöser des furchtbarsten Verbrechens der Menschheitsgeschichte war, steht außer Frage. Weil nach dem Krieg einer neuer, kalter Krieg begann, wurde die Frage der Reparationen hastig und nicht wirklich befriedigend für alle Staaten geklärt. Tatsächlich gibt es aber klare Verträge, die weitere Zahlungen Deutschlands ausschließen. Doch Geld kann keine Schuld tilgen. Verantwortung ist nicht zu kaufen. Es war Willy Brandt, der mit seinem Kniefall in Warschau 1970 erstmals um Vergebung bat. Diese Geste steht bislang allein in der komplexen Nachkriegsgeschichte, und zur Wahrheit gehört, dass damals knapp die Hälfte der Bundesbürger diesen Kniefall für übertrieben hielten. Dies ist heute anders, wenn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 1. September nach Polen reist und dort sprechen wird. Dass die polnische Regierung zu diesem Jahrestag die Forderungen nach milliardenschweren Reparationen erneuert, hat vor allem mit dem Wahlkampf der Pis-Partei zu tun. Sie agiert genauso nationalistisch wie das hierzulande einige tun. Sie alle verkennen, dass genau dieser Nationalismus zur Katastrophe geführt hat. Dass ausgerechnet diese Leute vom europäischen Gedanken nicht viel halten, entlarvt sie als gefährlich und geschichtsvergessen. Sie wollen nicht wahrhaben, dass die wirksamste Reparation seit 1945 das gemeinsame Europa ist. Quelle: ots/Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung

Soll der polnische Staat Milliarden Euro erhalten, als Ausgleich für die Gräueltaten während des Zweiten Weltkriegs? Darüber wird nicht nur hierzulande an den Stammtischen und in sozialen Netzwerken hämisch diskutiert. Genauso unwürdig sieht es in Polen aus. Dabei gibt es auf Schuld und Sühne keine leichten Antworten. Denn Geschichte ist sehr komplex.

Siemens München-Perlach
Foto: Rufus46 / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Neue Spielregeln

Vor 70 Jahren einigten sich die Diktatoren und Massenmörder Hitler und Stalin in einem Geheimvertrag darauf, Polen und andere osteuropäische Länder unter sich aufzuteilen. Nur wenige Tage später, am 1. September 1939, überfielen deutsche Truppen Polen. Die Soldaten Stalins folgten 17 Tage später von der östlichen Seite her. Verträge schließen weitere Zahlungen Deutschlands aus.

Dass Nazi-Deutschland Auslöser des furchtbarsten Verbrechens der Menschheitsgeschichte war, steht außer Frage. Weil nach dem Krieg einer neuer, kalter Krieg begann, wurde die Frage der Reparationen hastig und nicht wirklich befriedigend für alle Staaten geklärt. Tatsächlich gibt es aber klare Verträge, die weitere Zahlungen Deutschlands ausschließen.

Doch Geld kann keine Schuld tilgen. Verantwortung ist nicht zu kaufen. Es war Willy Brandt, der mit seinem Kniefall in Warschau 1970 erstmals um Vergebung bat. Diese Geste steht bislang allein in der komplexen Nachkriegsgeschichte, und zur Wahrheit gehört, dass damals knapp die Hälfte der Bundesbürger diesen Kniefall für übertrieben hielten.

Dies ist heute anders, wenn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 1. September nach Polen reist und dort sprechen wird. Dass die polnische Regierung zu diesem Jahrestag die Forderungen nach milliardenschweren Reparationen erneuert, hat vor allem mit dem Wahlkampf der Pis-Partei zu tun. Sie agiert genauso nationalistisch wie das hierzulande einige tun. Sie alle verkennen, dass genau dieser Nationalismus zur Katastrophe geführt hat.

Dass ausgerechnet diese Leute vom europäischen Gedanken nicht viel halten, entlarvt sie als gefährlich und geschichtsvergessen. Sie wollen nicht wahrhaben, dass die wirksamste Reparation seit 1945 das gemeinsame Europa ist.



Quelle: ots/Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung
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