Präsident Aserbaidschans kritisiert armenische Militäraktion

Foto: Jalpeyrie / CC BY-SA 3.0 via Wikipedia

Welt
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Infolge der zunehmenden Feindseligkeiten in der aserbaidschanischen Region Bergkarabach und weiteren von Armenien besetzten Gebieten machte der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev armenischen Funktionären den Vorwurf, eine feindselige "Propagandakampagne" zu führen.

Bei einer Rede im Zuge des vierten Weltkongresses aserbaidschanischer Staatsbürger (Fourth Congress of World Azerbaijanis) in Baku erklärte Aliyev, das Ziel dieser Kampagne bestehe darin, "Aserbaidschan mit Schmutz zu bewerfen, das Land als antidemokratischen Staat darzustellen und irreführende Falschinformationen über die Geschichte von Bergkarabach in Umlauf zu bringen".

Er bekräftigte, dass Bergkarabach historisch stets zum Hoheitsgebiet des Aserbaidschan gehörte. "Armenier aus Ostanatolien und dem Iran wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Bergkarabach umgesiedelt", erklärte er. "Zum 150. Jahrestag der Umsiedlung von Armeniern nach Bergkarabach hat man in Bergkarabach 1978 sogar ein Denkmal errichtet."

Die aserbaidschanische Region Bergkarabach und sieben angrenzende Provinzen wurden während des postsowjetischen Machtvakuums von Armenien besetzt, was etwa 30.000 Todesopfer und nahezu eine Million Flüchtlinge und Binnenvertriebene zur Folge hatte. Zahlreiche internationale Behörden, darunter die Vereinten Nationen, das Europäische Parlament, die OSZE und zuletzt auch die Parlamentarische Versammlung des Europarates, haben einen sofortigen und bedingungslosen Rückzug von armenischen Truppen aus aserbaidschanischen Gebieten gefordert.

Aliyev äußerte sich zudem über die Bemerkungen des armenischen Präsidenten Serzh Sargsyan auf dem jüngsten Gipfeltreffen der Eurasischen Wirtschaftsunion. Dieser hatte suggeriert, Aserbaidschan sei für den Beginn der jüngsten Feindseligkeiten verantwortlich. "Angesichts des zunehmenden Drucks auf Armenien, das Problem friedlich zu lösen, und entsprechender Erklärungen bezüglich der Notwendigkeit, den Status quo zu ändern, also die Besatzungstruppen aus unserem Hoheitsgebiet zurückzuziehen, machen sie von Provokationen Gebrauch", so Aliyev weiter.

Der aserbaidschanische Präsident stellte zudem die Existenz einer "Armee von Bergkarabach" infrage. "Dies ist ein Mythos, mit dem die internationale Gemeinschaft in die Irre geführt werden soll", erklärte er. Laut Aliyev handele es sich "bei den in Bergkarabach stationierten Soldaten der armenischen Streitkräfte um armenische Staatsbürger, 80 % dieser Menschen sind Armenier und auch in Armenien geboren."

Im April brach in der Region ein mehrere Tage andauerndes schweres Feuergefecht zwischen armenischen und aserbaidschanischen Truppen aus, das Hunderte von Todesopfern zur Folge hatte. Die Unterbrechung der Feindseligkeiten hängt derzeit am seidenen Faden.



Quelle: ots/Azerbaijan Monitor


Welt (Top 10/365)

  • Angriff auf die Demokratie
    Dienstag, 05. Februar 2019

    Wenn Lech Walesa lospoltert, gibt es oft kein Halten mehr. Politische Gegner beschimpft der Friedensnobelpreisträger von 1983 dann wahlweise als Idioten, Schlappschwänze oder Eierköpfe. Stellt ein...

  • Illegale Giftlieferung in die USA?
    Freitag, 13. Juli 2018

    Das deutsche Medizinunternehmen VET Pharma Friesoythe GmbH steht im Verdacht, illegal mehrere Tonnen eines Mittels zum Einschläfern von Tieren in die USA geliefert zu haben. Der enthaltene...

  • Deutschland nimmt immer weniger Jesiden als Flüchtlinge auf
    Samstag, 09. Februar 2019

    Deutschland nimmt immer weniger Jesiden als Flüchtlinge auf. 2018 hatten nur 60 Prozent der Mitglieder dieser religiösen Minderheit in Deutschland mit ihren Asylanträgen Erfolg. Im Jahr zuvor waren...

  • Grandios gescheitert: Der Meister des Desasters
    Donnerstag, 28. Februar 2019

    Der selbst ernannte Verhandlungskünstler aus dem Weißen Haus hat seinen Meister in einem ruchlosen Diktator gefunden. Kim Jong-un nutzte beim Atompoker in Vietnam die strategische Schwäche des...

  • Putins gefährlicher Geheimplan
    Dienstag, 29. Januar 2019

    Wladimir Putin hält wenig davon, der Öffentlichkeit allzu tiefe Einblicke in sein Privatleben zu geben. Am vergangenen Wochenende zeigte sich der russische Präsident bei einem Besuch in seiner...

  • Nord Stream 2: Russischer Botschafter kritisiert USA
    Mittwoch, 13. Februar 2019

    Russlands Botschafter Sergej Netschajew hat den diplomatischen Druck kritisiert, mit dem die USA den Bau der Pipeline Nord Stream 2 kurz vor Fertigstellung noch verhindern wollen. Dass die...

  • Haushaltsplan Italien: Ein Drahtseilakt
    Dienstag, 12. Februar 2019

    Es ist ein geradezu befremdlich wirkender Termin. Der italienische Ministerpräsident Guiseppe Conte spricht heute in Straßburg über die Zukunft Europas. Seit Herbst klafft zwischen Italien und der...

  • Brexit: Die wichtigsten Szenarien
    Mittwoch, 23. Januar 2019

    Nachdem das Austrittsabkommen der britischen Regierung mit der EU im Parlament keine Mehrheit gefunden hat, diskutieren die Briten und Brüssel verschiedene Brexit-Lösungen. Ein Überblick über die...

  • Ukraine: An Putin ausgeliefert
    Freitag, 22. Februar 2019

    Fünf Jahre ist es her, dass die Massenproteste auf dem Maidan, dem Unabhängigkeitsplatz im Herzen von Kiew, in tödliche Gewalt umschlugen. Scharfschützen feuerten in die Menge. Barrikaden brannten....

  • Brexit: Für die EU gibt es nichts mehr zu verhandeln
    Mittwoch, 16. Januar 2019

    Nachdem die britische Premierministerin Theresa May mit ihrem Brexit-Vorschlag im Parlament gescheitert ist, gibt es kaum noch Hoffnung auf ein geregeltes Austreten Großbritanniens. Deutsche...