Schulen in Sierra Leone wieder geöffnet, aber keiner geht hin

Foto: Michael Pollak

Welt
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

"Die Schulen in Sierra Leone sind seit dem 14. April wieder offiziell geöffnet, aber keiner geht hin", so Salesianerbruder Lothar Wagner von Don Bosco Fambul in Freetown. "Eltern, Schüler und sogar Lehrer beobachten derzeit, was geschieht, und trauen sich erst aus der Deckung, wenn die Ebola vollständig besiegt ist", macht der Partner des Kindermissionswerks "Die Sternsinger" deutlich. "Dies könnte aber sehr bald der Fall sein, denn die neu gemeldeten Infektionsfälle lassen sich alle zurückverfolgen und die Infektionsherde sind unter Kontrolle", so Bruder Lothar weiter. Seit Mitte 2014 hatten sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation über 12.200 Menschen im westafrikanischen Sierra Leone mit Ebola infiziert. Mehr als 3.800 Frauen, Männer und Kinder starben an den Folgen.

Viele Schulen wurden während der Epidemie zu sogenannten "Holding Centers" umfunktioniert, in denen Ebola-Verdachtsfälle isoliert wurden. Diese Gebäude müssen jetzt zunächst desinfiziert und zum Teil wieder umgebaut werden. Wie viele Schulen in Kürze tatsächlich wieder Unterricht anbieten können, ist noch unklar, so die Einschätzung des Salesianers. Ursprünglich sollten die Schulen in Sierra Leone schon im März wieder geöffnet werden.

3.000 Radiogeräte unterstützen den Unterricht Nach Ausbruch der Ebola-Epidemie im Frühjahr 2014 war der reguläre Schulunterricht eingestellt worden, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Als Überbrückung bis zur erneuten Wiedereröffnung der Schulen wurde der Unterricht per Radio und Fernsehen angeboten. Dieses Programm wird auch weiterhin ausgestrahlt.

Mit rund 180.000 Euro unterstützt das Kindermissionswerk das Lernprogramm. Unter anderem wurden 3.000 Radio- und 355 TV-Geräte angeschafft, um vor allem Mädchen und Jungen in entlegenen Dörfern die Teilnahme am Schulunterricht zu ermöglichen. Von Lehrkräften begleitet können rund 30.000 Kinder auf diese Weise täglich am einstündigen Fern-Unterricht teilnehmen.

Die Radio- und TV-Geräte bleiben auch nach Wiedereröffnung der Schulen in den Dorfgemeinschaften. Ausgewählte Familien kümmern sich um die Wartung und Nutzung der Geräte, werden zugleich via Radio über Ebola-Präventionsmaßnahmen informiert und geben dieses Wissen an die Dorfgemeinschaften weiter. Aufklärungsarbeit, zum Beispiel über die Infektion mit Ebola, findet so eine Fortsetzung und schnelle Verbreitung.



Quelle: Kindermissionswerk „Die Sternsinger“


Welt (Top 10/365)

  • Angriff auf die Demokratie
    Dienstag, 05. Februar 2019

    Wenn Lech Walesa lospoltert, gibt es oft kein Halten mehr. Politische Gegner beschimpft der Friedensnobelpreisträger von 1983 dann wahlweise als Idioten, Schlappschwänze oder Eierköpfe. Stellt ein...

  • Illegale Giftlieferung in die USA?
    Freitag, 13. Juli 2018

    Das deutsche Medizinunternehmen VET Pharma Friesoythe GmbH steht im Verdacht, illegal mehrere Tonnen eines Mittels zum Einschläfern von Tieren in die USA geliefert zu haben. Der enthaltene...

  • Deutschland nimmt immer weniger Jesiden als Flüchtlinge auf
    Samstag, 09. Februar 2019

    Deutschland nimmt immer weniger Jesiden als Flüchtlinge auf. 2018 hatten nur 60 Prozent der Mitglieder dieser religiösen Minderheit in Deutschland mit ihren Asylanträgen Erfolg. Im Jahr zuvor waren...

  • Grandios gescheitert: Der Meister des Desasters
    Donnerstag, 28. Februar 2019

    Der selbst ernannte Verhandlungskünstler aus dem Weißen Haus hat seinen Meister in einem ruchlosen Diktator gefunden. Kim Jong-un nutzte beim Atompoker in Vietnam die strategische Schwäche des...

  • Putins gefährlicher Geheimplan
    Dienstag, 29. Januar 2019

    Wladimir Putin hält wenig davon, der Öffentlichkeit allzu tiefe Einblicke in sein Privatleben zu geben. Am vergangenen Wochenende zeigte sich der russische Präsident bei einem Besuch in seiner...

  • Nord Stream 2: Russischer Botschafter kritisiert USA
    Mittwoch, 13. Februar 2019

    Russlands Botschafter Sergej Netschajew hat den diplomatischen Druck kritisiert, mit dem die USA den Bau der Pipeline Nord Stream 2 kurz vor Fertigstellung noch verhindern wollen. Dass die...

  • Haushaltsplan Italien: Ein Drahtseilakt
    Dienstag, 12. Februar 2019

    Es ist ein geradezu befremdlich wirkender Termin. Der italienische Ministerpräsident Guiseppe Conte spricht heute in Straßburg über die Zukunft Europas. Seit Herbst klafft zwischen Italien und der...

  • Brexit: Die wichtigsten Szenarien
    Mittwoch, 23. Januar 2019

    Nachdem das Austrittsabkommen der britischen Regierung mit der EU im Parlament keine Mehrheit gefunden hat, diskutieren die Briten und Brüssel verschiedene Brexit-Lösungen. Ein Überblick über die...

  • Ukraine: An Putin ausgeliefert
    Freitag, 22. Februar 2019

    Fünf Jahre ist es her, dass die Massenproteste auf dem Maidan, dem Unabhängigkeitsplatz im Herzen von Kiew, in tödliche Gewalt umschlugen. Scharfschützen feuerten in die Menge. Barrikaden brannten....

  • Brexit: Für die EU gibt es nichts mehr zu verhandeln
    Mittwoch, 16. Januar 2019

    Nachdem die britische Premierministerin Theresa May mit ihrem Brexit-Vorschlag im Parlament gescheitert ist, gibt es kaum noch Hoffnung auf ein geregeltes Austreten Großbritanniens. Deutsche...