Freitag, 07 Aug 2020
Donald Trump
Donald Trump Foto: Petty Officer 2nd Class Patrick Kelley / CC0 (via US Coast Guard)
 2-3 Minuten Lesezeit  515 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Der Massenmörder von Christchurch ist nicht der erste Terrorist, der sich durch den "America-First"-Präsidenten inspiriert fühlt. In seinem wirren Manifest nennt er Trump "ein Symbol der erneuerten weißen Identität" und faselt von "einer Invasion in unserem Land" durch Migranten. Wie zuvor schon der Führer der "alternativen" Rechten in den USA, Richard Spencer, Trump nach den Vorfällen von Charlottesville gelobt hatte. "Ich bin wirklich stolz auf ihn." Die meisten Amerikaner empfinden anders. Sie fühlen sich peinlich berührt von einem Präsidenten, der nicht für die Anschläge verantwortlich ist, aber den Boden dafür bestellt hat. Und dann zur Seite schaut, wenn die Saat der rechten Gewalt aufgeht.

Axel Milberg
Foto: Amrei-Marie / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

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So auch nach dem Massaker an den Muslimen von Christchurch. Auf die Frage eines Reporters, ob er besorgt sei über den weltweiten Anstieg von Gewalttaten, die Terroristen im Namen eines "weißen Nationalismus" ausüben, spielt Trump die Gefahr herunter. Das könne er "wirklich nicht sehen". Es handle sich um eine winzige Gruppe von Leuten, die sehr ernste Probleme hätten. Die Fakten sprechen eine andere, erschütternde Sprache. Demnach nahm die Zahl der weißen Hassgruppen in Trumps Amerika weiter zu und erreichte laut "Southern Poverty Law Center" mit 1020 Organisationen einen Höchststand. Weiße Rassisten haben 2018 in den USA und Kanada mindestens 40 Menschen auf dem Gewissen. Die Statistik der Anti-Defamation League spricht ebenfalls eine deutliche Sprache. Die terroristische Gefahr rührt nicht von Links oder muslimischen Extremisten, sondern von weißen Terroristen. 70 Prozent aller 427 Anschlags-Opfer extremistischer Gewalt in den vergangenen zehn Jahren gehen auf das Konto rechter Täter.

Statt sich nach Christchurch im Kampf gegen den Terrorismus weißer Extremisten an die Spitze der zivilisierten Welt zu stellen, gießt der amerikanische Präsident Öl ins Feuer. Das Weiße Haus verstärkte seine hetzerische PR gegen die angebliche Invasion aus dem Süden mit grobkörnigen Bildern einer Überwachungskamera, die zeigt, wie Familien über die Grenze kommen. Darüber steht die Schlagzeile "Das ist ein nationaler Notstand". Eine lachhafte Behauptung, die der Kongress mit Stimmen der Republikaner zurückgewiesen hat. Als ob er dem Massenmörder von Christchurch helfen wollte, dessen erklärtes Ziel zu erreichen, in den USA einen Bürgerkrieg anzuzetteln, drohte Trump seinen Kritikern auf der rechten Agitprop-Platform "Breitbart" mit Gewalt. Er habe die Unterstützung des Militärs, der Polizei und der "Bikers for Trump", verkündete der Präsident. Das seien alles harte Kerle, die "ab einem bestimmten Punkt" auch anders könnten. Das wäre dann gewiss "sehr schlecht" für seine Gegner. Mit Aussagen wie diesen trägt Trump selber dazu bei, die Grenzen zwischen seinem bigotten "Amerika-Zuerst"-Nationalismus, weißem Nationalismus und Rechtsextremismus verschwimmen zu lassen. Die gemeinsame Schnittmenge ist der absurde Glaube an eine irgendwie "reine" Gesellschaft, die durch "Eindringlinge" von Außen bedroht werde. Seien es Einwanderer, Flüchtlinge, Andersgläubige, Menschen mit anderer Hautfarbe oder Sexualität.

Der US-Präsident bagatellisiert die Gefahr, die von der Globalisierung rassistischer Gewalt ausgeht, weil er auf dem rechten Auge blind ist. Dabei muss der zwischen Christchurch in Neuseeland und Charlottesville in den USA ausgeübte Terror ein Weckruf sein, die Kräfte im Kampf gegen weißen Extremismus international zu bündeln. Leider ist Trump eher ein Teil des Problems als der Lösung.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
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