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Trump spielt mit den Ängsten vieler weißer Amerikaner, er hat Rassismus salonfähig gemacht

Donald TrumpFoto: Gerd Altmann / CC0 (via Pixabay)

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Trump spielt mit den Ängsten vieler weißer Amerikaner, er hat Rassismus salonfähig gemacht

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Dieses Mal richtete sich der Terror nicht gegen Muslime oder Juden: In dem "mexikanischen Walmart" von El Paso gerieten Latinos ins Visier eines weißen Rechtsextremisten. Der Anschlag sei eine Antwort auf die angebliche "Invasion" hispanischer Zuwanderer aus dem Süden, heißt es in dem Manifest, das der Täter kurz vor dem Massaker online veröffentlichte. Wenn die Wortwahl bekannt klingt, dann zurecht. So hetzt auch der Präsident der Vereinigten Staaten auf Kundgebungen vor seinen Anhängern.

Mehr als einmal gebrauchte er den Begriff einer Invasion, der so falsch wie dumm ist. Tatsächlich haben Hispanier schon in Texas gelebt, als dieses noch gar nicht zu den USA gehörte. Der Präsident benutzt wie selbstverständlich Formulierungen aus dem Wörterbuch eines Unmenschen. Er vergleicht Flüchtlinge mit Ungeziefer, spricht von Verseuchung oder empfiehlt nicht-weißen Amerikaner "zurückzugehen". Ja wohin denn eigentlich?

Statt Gebete anzubieten, sollte Trump lieber auf die Ausfälle gegen Latinos, Muslime und Schwarze verzichten. Leider sieht wenig danach aus. Denn seine Präsidentschaft basiert auf einem im Kern rassistischen Appell, in dem die "wahren Amerikaner" das Opfer sind. Schon als Trump die goldfarbene Rolltreppe in seinem Wolkenkratzer herunter kam, um seine Präsidentschaft-Kandidatur zu verkünden, hetzte er gegen Mexikaner und Muslime. Der Präsident machte vom Tag der Amtseinführung an klar, dass sein "Make America Great Again"-Slogan eigentlich "Make America White Again" meint. Im Amt verfolgt er eine Politik der offenen Diskriminierung. Mauerbau und Muslim-Bann, Flüchtlinge in Käfigen, von ihren Müttern zwangsweise getrennte Kinder und Jugendliche in Internierungslagern gehören zur neuen Normalität.

Trump spielt mit den Ängsten vieler weißer Amerikaner, die das Rückgrat seiner Bewegung ausmachen. Diese fürchten angesichts des demographischen Wandels schon sehr bald, ihre Privilegien zu verlieren. Das trifft insbesondere auf ältere weiße Männer zu, die es gewohnt waren, den Ton anzugeben. 2045 werden nicht-weiße Amerikaner die Mehrheit stellen. Hier findet sich die Schnittstelle zum weißen Nationalismus, der sich auf die Verschwörungstheorie stützt, dass die (jüdischen) Eliten die weiße Bevölkerung aus Profitstreben durch nicht-weiße ersetzen wollten. In dieser verschrobenen Weltsicht gehören auch die als Sklaven ins Land gebrachte Schwarzen, Flüchtlinge und Einwanderer aus allen nicht-europäischen Ländern dazu.

Dass Trump Haiti und einige afrikanische Herkunftsstaaten als "Dreckloch-Staaten" bezeichnet, und seine Anhänger vier farbigen Kongressabgeordneten "Geht zurück" entgegen rufen , passt in dieses Weltbild. Wie eben auch das von Trump so oft auf Kundgebungen gebrauchte Bild einer "Invasion" aus dem Süden, die gestoppt werden müsse. Verwirrte Seelen, wie die des Attentäters von El Paso, lassen sich von solchen Worten inspirieren, verstehen sie als Handlungsanweisung.

Mit seiner Strategie, Flüchtlinge und Einwanderer zu entmenschlichen, trägt Trump zweifellos eine Mitverantwortung für das Erstarken weißer Rechtsextremisten in den USA. Er muss sich den Vorwurf gefallen lassen, den Boden bereitet zu haben, auf dem die Saat der Gewalt aufgegangen ist. Neu und erschreckend ist die leichte Verfügbarkeit kriegstauglicher Waffen in Verbindung mit dem Anwachsen einer gewaltbereiten Szene weißer Rechtsextremisten. Trump ignoriert nicht nur beide Gefahren, sondern gießt auch noch Öl ins Feuer. Der Terror von El Paso muss ein Weckruf sein, der die Augen öffnet, bevor es zu spät ist.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung

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