Türkei: Für Erdogan steht es gut

Foto: Пресс-служба Президента Российской Федерации / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Welt
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Es ehrt die Bundeskanzlerin, dass sie sich nicht zu schade ist, einmal mehr den türkischen Präsidenten zu besuchen. Ihre Visite in Ankara zeigt die Ernsthaftigkeit, mit der Angela Merkel um eine Kontrolle der Zuwanderung aus den Bürgerkriegsregionen in Syrien und dem Irak bemüht ist.

Aber Merkel und Erdogan bewegen sich sich in unterschiedlichen Wertesystemen, was eine Verständigung schwierig macht. Dem türkischen Staatschef geht es zuallererst um eine Anerkennung seines Landes und seiner Person als gewichtige Spieler in einem Konflikt, der die Türkei belastet, Europa aber in seiner Integrität bedroht. Und wenn Merkel die Türkei auffordert, die jetzt aus Aleppo fliehenden Syrer ins Land zu lassen, gleichzeitig aber erwartet, dass die Türken die Flüchtlinge am Weiterziehen hindern, kann der türkische Machthaber sich gelassen zurücklehnen und erklären, das habe seinen Preis.

Erdogan mit humanitären Motiven bei der Behandlung der Flüchtlinge zu kommen, ist aussichtslos. Dazu muss man sich nur vor Augen führen, wie er Staatsbürger seines Landes behandelt, die zufälligerweise Kurden sind. Für den türkischen Staatschef sind die Flüchtlinge Verhandlungsmasse. Je mehr er weiterziehen lässt, umso mehr wird er verlangen können, um dies in Zukunft zu verhindern.



Quelle: ots/Schwäbische Zeitung


Welt (Top 10/365)

  • Angriff auf die Demokratie
    Dienstag, 05. Februar 2019

    Wenn Lech Walesa lospoltert, gibt es oft kein Halten mehr. Politische Gegner beschimpft der Friedensnobelpreisträger von 1983 dann wahlweise als Idioten, Schlappschwänze oder Eierköpfe. Stellt ein...

  • Illegale Giftlieferung in die USA?
    Freitag, 13. Juli 2018

    Das deutsche Medizinunternehmen VET Pharma Friesoythe GmbH steht im Verdacht, illegal mehrere Tonnen eines Mittels zum Einschläfern von Tieren in die USA geliefert zu haben. Der enthaltene...

  • Deutschland nimmt immer weniger Jesiden als Flüchtlinge auf
    Samstag, 09. Februar 2019

    Deutschland nimmt immer weniger Jesiden als Flüchtlinge auf. 2018 hatten nur 60 Prozent der Mitglieder dieser religiösen Minderheit in Deutschland mit ihren Asylanträgen Erfolg. Im Jahr zuvor waren...

  • Grandios gescheitert: Der Meister des Desasters
    Donnerstag, 28. Februar 2019

    Der selbst ernannte Verhandlungskünstler aus dem Weißen Haus hat seinen Meister in einem ruchlosen Diktator gefunden. Kim Jong-un nutzte beim Atompoker in Vietnam die strategische Schwäche des...

  • Putins gefährlicher Geheimplan
    Dienstag, 29. Januar 2019

    Wladimir Putin hält wenig davon, der Öffentlichkeit allzu tiefe Einblicke in sein Privatleben zu geben. Am vergangenen Wochenende zeigte sich der russische Präsident bei einem Besuch in seiner...

  • Nord Stream 2: Russischer Botschafter kritisiert USA
    Mittwoch, 13. Februar 2019

    Russlands Botschafter Sergej Netschajew hat den diplomatischen Druck kritisiert, mit dem die USA den Bau der Pipeline Nord Stream 2 kurz vor Fertigstellung noch verhindern wollen. Dass die...

  • Haushaltsplan Italien: Ein Drahtseilakt
    Dienstag, 12. Februar 2019

    Es ist ein geradezu befremdlich wirkender Termin. Der italienische Ministerpräsident Guiseppe Conte spricht heute in Straßburg über die Zukunft Europas. Seit Herbst klafft zwischen Italien und der...

  • Brexit: Die wichtigsten Szenarien
    Mittwoch, 23. Januar 2019

    Nachdem das Austrittsabkommen der britischen Regierung mit der EU im Parlament keine Mehrheit gefunden hat, diskutieren die Briten und Brüssel verschiedene Brexit-Lösungen. Ein Überblick über die...

  • Ukraine: An Putin ausgeliefert
    Freitag, 22. Februar 2019

    Fünf Jahre ist es her, dass die Massenproteste auf dem Maidan, dem Unabhängigkeitsplatz im Herzen von Kiew, in tödliche Gewalt umschlugen. Scharfschützen feuerten in die Menge. Barrikaden brannten....

  • Brexit: Für die EU gibt es nichts mehr zu verhandeln
    Mittwoch, 16. Januar 2019

    Nachdem die britische Premierministerin Theresa May mit ihrem Brexit-Vorschlag im Parlament gescheitert ist, gibt es kaum noch Hoffnung auf ein geregeltes Austreten Großbritanniens. Deutsche...