UNICEF zum vierten Jahrestag des Syrien-Konflikts

Foto: Charles Roffey

Welt
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Vier Jahre nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien leiden laut UNICEF mehr Kinder als jemals zuvor unter den direkten und indirekten Folgen des Konflikts.

In Syrien und seinen Nachbarländern sind heute schätzungsweise 14 Millionen Kinder und Jugendliche von Gewalt, Flucht sowie wachsender Armut, Ausbeutung und Hoffnungslosigkeit betroffen. Anlässlich des Jahrestages des Konflikts appelliert UNICEF an die Regierungen und Öffentlichkeit, diese Kinder nicht allein zu lassen, die humanitäre Hilfe aufzustocken und gezielt in Bildungsprojekte und psychosoziale Hilfen für Kinder und Jugendliche zu investieren.

"Humanitäre Hilfe allein kann keinen Krieg beenden", sagte Daniela Schadt, Schirmherrin von UNICEF Deutschland. "Aber wir können und müssen dafür sorgen, dass so viele betroffene Kinder und Jugendliche wie möglich in ihren prägenden Jahren die Chance bekommen, etwas zu lernen und den Schrecken zu überwinden. Sie brauchen Hoffnung, damit Hass und Gewalt nicht auch ihre Zukunft beherrschen."

Am Schlimmsten ist die Situation für Kinder weiter innerhalb Syriens. In den vergangenen vier Jahren wurden dort mindestens 10.000 Kinder getötet. 5,6 Millionen Mädchen und Jungen in Syrien sind in einer akuten Notsituation - bis zu zwei Millionen sind sogar ganz oder zeitweise von jeglicher Hilfe abgeschnitten. Rund zwei Millionen Kinder und Jugendliche mussten ihre Heimat verlassen, und mehr als 114.000 Babys wurden als Flüchtling geboren.

"Die Menschen in Syrien sind in einer absolut verzweifelten Lage und leben von einem Tag auf den nächsten", sagte Hanaa Singer. Sie leitet seit einem halben Jahr das UNICEF-Büro in Damaskus und war in den vergangenen Monaten viel innerhalb des Landes unterwegs, unter anderem in Homs, Aleppo, Quamishly und Hama. "Aber wenn ich nahe daran bin, die Hoffnung zu verlieren, treffe ich junge Kinder in einer Schule. Dann sehe ich das Leuchten in ihren Augen, ihr Lächeln und höre sie sogar lachen trotz der ganzen Zerstörung um sie herum. Deshalb fühle ich, dass es auch Hoffnung gibt - sie liegt in den Herzen der Kinder und Jugendlichen, die trotz der schwierigen Situation nicht aufgegeben haben. Sie sind fest entschlossen, das Beste aus ihrem Leben zu machen", sagte Singer.

Ein neuer UNICEF-Bericht zeigt in einer Serie von Portraits ermutigende Beispiele von Mädchen und Jungen, die sich der Gewaltspirale entziehen und für andere ein Vorbild sind. So hat beispielsweise der 16-jährige Alaa im zerstörten syrischen Homs in einem Kurs Techniken für kritisches Denken, Kommunikation und Problemlösung gelernt und gibt dieses Wissen nun an andere Jugendliche weiter. Die 10-jährige Christina, die als Flüchtling in Nordirak lebt, hilft jüngeren Kindern bei ihren Schularbeiten.

Nach vier Jahren Bürgerkrieg haben die meisten Familien aus Syrien keine Einkommensquellen mehr. Mädchen trauen sich oft nicht mehr aus dem Haus und werden jung verheiratet, um ihre Familien zu entlasten. Männliche Jugendliche müssen häufig Geld verdienen oder schließen sich aus Mangel an Alternativen bewaffneten Gruppen an.

Während die Notversorgung für die leidende Bevölkerung und die Flüchtlinge weitergehen muss, fordert UNICEF deshalb gleichzeitig mehr gezielte Investitionen in Bildungsprogramme und psychosoziale Hilfen für Kinder und Jugendliche.

Insbesondere fordert UNICEF

- Chancen für Jugendliche: Fünf Millionen Syrer sind zwischen zwölf und 18 Jahre alt. Sie brauchen Zugang zu Bildung, Ausbildungsmöglichkeiten und auf sie zugeschnittene Freizeitangebote.

- Schulbildung muss weitergehen: Vom Konflikt betroffene Kinder brauchen sowohl formelle als auch informelle Bildungsangebote. Es muss sichergestellt werden, dass Abschlüsse, die sie erwerben, auch anerkannt werden.

- Psychosoziale Hilfen: Viele Mädchen und Jungen haben traumatische Erlebnisse gehabt. Sie brauchen psychosoziale Hilfen, um sie zu verarbeiten.

- Unterstützung für Gastländer: Die Gesundheits- und Bildungssysteme in den Nachbarländern Syriens müssen gestärkt werden. Auf diese Weise profitieren die syrischen und alle anderen vom Konflikt betroffenen Kinder.



Quelle: UNICEF


Welt (Top 10/365)

  • Angriff auf die Demokratie
    Dienstag, 05. Februar 2019

    Wenn Lech Walesa lospoltert, gibt es oft kein Halten mehr. Politische Gegner beschimpft der Friedensnobelpreisträger von 1983 dann wahlweise als Idioten, Schlappschwänze oder Eierköpfe. Stellt ein...

  • Illegale Giftlieferung in die USA?
    Freitag, 13. Juli 2018

    Das deutsche Medizinunternehmen VET Pharma Friesoythe GmbH steht im Verdacht, illegal mehrere Tonnen eines Mittels zum Einschläfern von Tieren in die USA geliefert zu haben. Der enthaltene...

  • Deutschland nimmt immer weniger Jesiden als Flüchtlinge auf
    Samstag, 09. Februar 2019

    Deutschland nimmt immer weniger Jesiden als Flüchtlinge auf. 2018 hatten nur 60 Prozent der Mitglieder dieser religiösen Minderheit in Deutschland mit ihren Asylanträgen Erfolg. Im Jahr zuvor waren...

  • Grandios gescheitert: Der Meister des Desasters
    Donnerstag, 28. Februar 2019

    Der selbst ernannte Verhandlungskünstler aus dem Weißen Haus hat seinen Meister in einem ruchlosen Diktator gefunden. Kim Jong-un nutzte beim Atompoker in Vietnam die strategische Schwäche des...

  • Putins gefährlicher Geheimplan
    Dienstag, 29. Januar 2019

    Wladimir Putin hält wenig davon, der Öffentlichkeit allzu tiefe Einblicke in sein Privatleben zu geben. Am vergangenen Wochenende zeigte sich der russische Präsident bei einem Besuch in seiner...

  • Nord Stream 2: Russischer Botschafter kritisiert USA
    Mittwoch, 13. Februar 2019

    Russlands Botschafter Sergej Netschajew hat den diplomatischen Druck kritisiert, mit dem die USA den Bau der Pipeline Nord Stream 2 kurz vor Fertigstellung noch verhindern wollen. Dass die...

  • Haushaltsplan Italien: Ein Drahtseilakt
    Dienstag, 12. Februar 2019

    Es ist ein geradezu befremdlich wirkender Termin. Der italienische Ministerpräsident Guiseppe Conte spricht heute in Straßburg über die Zukunft Europas. Seit Herbst klafft zwischen Italien und der...

  • Brexit: Die wichtigsten Szenarien
    Mittwoch, 23. Januar 2019

    Nachdem das Austrittsabkommen der britischen Regierung mit der EU im Parlament keine Mehrheit gefunden hat, diskutieren die Briten und Brüssel verschiedene Brexit-Lösungen. Ein Überblick über die...

  • Ukraine: An Putin ausgeliefert
    Freitag, 22. Februar 2019

    Fünf Jahre ist es her, dass die Massenproteste auf dem Maidan, dem Unabhängigkeitsplatz im Herzen von Kiew, in tödliche Gewalt umschlugen. Scharfschützen feuerten in die Menge. Barrikaden brannten....

  • Brexit: Für die EU gibt es nichts mehr zu verhandeln
    Mittwoch, 16. Januar 2019

    Nachdem die britische Premierministerin Theresa May mit ihrem Brexit-Vorschlag im Parlament gescheitert ist, gibt es kaum noch Hoffnung auf ein geregeltes Austreten Großbritanniens. Deutsche...