Lesezeit: 2 Min

US-Geldpolitik: Souveräner Auftritt

Jerome PowellFoto: Federalreserve - DSC_3302 / Public Domain

Welt
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

US-Geldpolitik: Souveräner Auftritt

.

So deutlich war US-Notenbankchef Jerome Powell selten. Nach seinem jüngsten Auftritt vor dem Kongress können eigentlich kaum noch Zweifel daran bestehen, dass der Offenmarktausschuss (FOMC) der Fed in drei Wochen den Geldhahn aufdrehen und die erste Zinssenkung seit mehr als zehn Jahren beschließen wird. Alles andere würde nicht nur Kursstürze an den Märkten auslösen. Insbesondere würde der Verzicht auf eine monetäre Lockerung das Vertrauen in die Transparenz der Notenbank erschüttern, die seit Jahren versucht, ihre Absichten deutlicher zu kommunizieren.

Die Argumente für eine Lockerung leuchten ein: Zwischen den USA und China knistert es an der handelspolitischen Front unverändert. Vorübergehende Waffenpausen bedeuten angesichts der Unvorhersehbarkeit von US-Präsident Donald Trump so gut wie gar nichts. Auch bleibt unklar, wie es zwischen den USA und Europa weitergeht. Womöglich kann Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier anlässlich einer seiner seltenen Besuche in der US-Hauptstadt mehr Klarheit darüber erlangen, ob die wiederholt angedrohten Einfuhrzölle für Autos zu den Akten gelegt werden können.

Die Handelskonflikte lasten jedenfalls ebenso wie die Wachstumsschwäche bei wichtigen Partnerländern auf der Stimmung bei amerikanischen Unternehmen. Sie schrauben ihre Investitionen zurück. Angesichts des Zick-Zack-Kurses des Präsidenten in der Handelspolitik fehlt es ihnen schließlich an der notwendigen Planungssicherheit.

Positiv lässt sich an Powells Auftritt ablesen, dass es der US-Wirtschaft unterm Strich weiterhin gut geht. Der Arbeitsmarkt ist stark, die Wachstumsrate ist recht solide, und die Fed hat ihre Prognose fürs kommende Jahr zuletzt sogar leicht heraufgesetzt. Enttäuscht werden könnten folglich jene Marktteilnehmer, die nun von einer längeren Serie von Zinssenkungen ausgehen. Dasselbe gilt für jene, die erwarten, dass Ende des Monats der Zielkorridor für den Leitzins um 50 Basispunkte heruntergeschraubt wird.

Powell hat jedenfalls umsichtig und souverän gehandelt. Auf die unsinnige Kritik, die US-Präsident Trump an ihm persönlich und an der Fed übte, reagierte er mit Achselzucken. Zwar mag Trump denken, dass er erfolgreich Druck ausgeübt hat, den Leitzins zu senken, und er somit den obersten Währungshüter in die Knie gezwungen hat. Er läge aber voll daneben, sind es doch ausschließlich handfeste ökonomische Argumente, die für Powells Aussagen entscheidend waren.



Quelle: ots/Börsen-Zeitung
345 Wörter im Bericht.

Welt (Top 10/365)

  • Angriff auf die Demokratie
    Dienstag, 05. Februar 2019

    Wenn Lech Walesa lospoltert, gibt es oft kein Halten mehr. Politische Gegner beschimpft der Friedensnobelpreisträger von 1983 dann wahlweise als Idioten, Schlappschwänze oder Eierköpfe. Stellt ein...

  • Deutschland nimmt immer weniger Jesiden als Flüchtlinge auf
    Samstag, 09. Februar 2019

    Deutschland nimmt immer weniger Jesiden als Flüchtlinge auf. 2018 hatten nur 60 Prozent der Mitglieder dieser religiösen Minderheit in Deutschland mit ihren Asylanträgen Erfolg. Im Jahr zuvor waren...

  • Grandios gescheitert: Der Meister des Desasters
    Donnerstag, 28. Februar 2019

    Der selbst ernannte Verhandlungskünstler aus dem Weißen Haus hat seinen Meister in einem ruchlosen Diktator gefunden. Kim Jong-un nutzte beim Atompoker in Vietnam die strategische Schwäche des...

  • Putins gefährlicher Geheimplan
    Dienstag, 29. Januar 2019

    Wladimir Putin hält wenig davon, der Öffentlichkeit allzu tiefe Einblicke in sein Privatleben zu geben. Am vergangenen Wochenende zeigte sich der russische Präsident bei einem Besuch in seiner...

  • Nord Stream 2: Russischer Botschafter kritisiert USA
    Mittwoch, 13. Februar 2019

    Russlands Botschafter Sergej Netschajew hat den diplomatischen Druck kritisiert, mit dem die USA den Bau der Pipeline Nord Stream 2 kurz vor Fertigstellung noch verhindern wollen. Dass die...

  • Haushaltsplan Italien: Ein Drahtseilakt
    Dienstag, 12. Februar 2019

    Es ist ein geradezu befremdlich wirkender Termin. Der italienische Ministerpräsident Guiseppe Conte spricht heute in Straßburg über die Zukunft Europas. Seit Herbst klafft zwischen Italien und der...

  • Brexit: Die wichtigsten Szenarien
    Mittwoch, 23. Januar 2019

    Nachdem das Austrittsabkommen der britischen Regierung mit der EU im Parlament keine Mehrheit gefunden hat, diskutieren die Briten und Brüssel verschiedene Brexit-Lösungen. Ein Überblick über die...

  • Ukraine: An Putin ausgeliefert
    Freitag, 22. Februar 2019

    Fünf Jahre ist es her, dass die Massenproteste auf dem Maidan, dem Unabhängigkeitsplatz im Herzen von Kiew, in tödliche Gewalt umschlugen. Scharfschützen feuerten in die Menge. Barrikaden brannten....

  • Brexit: Für die EU gibt es nichts mehr zu verhandeln
    Mittwoch, 16. Januar 2019

    Nachdem die britische Premierministerin Theresa May mit ihrem Brexit-Vorschlag im Parlament gescheitert ist, gibt es kaum noch Hoffnung auf ein geregeltes Austreten Großbritanniens. Deutsche...

  • Brexit: Der Widerstand schwindet
    Mittwoch, 12. Dezember 2018

    Theresa May muss sich heute einem Misstrauensvotum stellen. Aber die Erfolgsaussichten der Brexit-Hardliner, die britische Premierministerin vom Thron zu stürzen, sind offenbar gering....