Warum die Briten jetzt schon fehlen

Foto: Elionas2 / CC0 via Pixabay

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Viel Trotz war dabei, als Europas Staatenlenker nach dem Brexit-Votum ihr "Jetzt erst recht" ausriefen. Und natürlich birgt wie jede Krise auch diese historische Sinnkrise Europas die Chance auf einen Neuanfang. Doch die ist schon so gut wie vertan. Der propagierte Schulterschluss findet nur auf gestellten Fotos und in verbalen Höflichkeiten statt. Inhaltlich gehen Frankreich, Italien und Deutschland strammen Schrittes immer weiter auseinander.

Während die Flüchtlingskrise einen Ost-West-Konflikt innerhalb der EU zu Tage treten ließ, strapaziert das wirtschaftliche Nord-Süd-Gefälle den Zusammenhalt der Union. Die Volkswirtschaften im Süden treten auf der Stelle, weshalb Renzi die Stunde null nutzt, den Italienern das Ende der Sparpolitik zu versprechen.

Milliardenschwere Konjunkturprogramme würde auch Hollande seinen Landsleuten gerne als das neue Europa verkaufen. Von der Schuldenmacherei und Reformstau als Krisenursachen ist in diesen Hoch-Zeiten national gefärbten Populismus' keine Rede mehr.

Die Briten sind noch nicht ausgetreten, aber sie fehlen besonders Merkel jetzt schon - als liberales Korrektiv, das Europa als Umverteilungsunion zu recht ablehnt. Die EU-Vision der Briten endete freilich bei der Freihandelszone mit einer Prise Verbraucherschutz. In Zeiten globaler Krisen, globalen Terrors und globalen Klimawandels muss der alte Kontinent mehr sein als das.

Doch anstatt wirklich zusammenzurücken und Europa zu einer Festung freiheitlicher, humanistischer und demokratischer Werte auszubauen, präsentieren sich die Rest-Europäer zurzeit als Klub nationaler Egoisten.



Quelle: ots/Westdeutsche Allgemeine Zeitung


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