Weltweit fast 50 Millionen Kinder entwurzelt

Foto: WikiImages / CC0 via Pixabay

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Fast 50 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit sind in Folge von Flucht und Migration entwurzelt - mehr als die Hälfte von ihnen (28 Millionen) wurden durch Konflikte aus ihrem Zuhause vertrieben. Millionen anderer Mädchen und Jungen haben ihre Heimat auf der Suche nach einem besseren, sichereren Leben verlassen.

Diese Zahlen hat das UN-Kinderhilfswerk UNICEF heute im Report "Uprooted" veröffentlicht, der erstmals alle verfügbaren Informationen über die globale Situation mit Blick auf Kinder zusammenträgt. Vor den beiden Weltgipfeln zu Flucht und Migration am 19. und 20. September bei den Vereinten Nationen in New York fordert UNICEF die Regierungen auf, die elementaren Rechte der betroffenen Mädchen und Jungen stärker zu beachten.

Eine Krise der Kinder

Die Kinder und Jugendlichen, die oft traumatischen Situationen von Konflikt und Gewalt entkommen sind, sind auf der Flucht großen Risiken ausgesetzt: der Gefahr, bei der Bootsüberfahrt zu ertrinken, an Hunger und Durst zu sterben und Opfer von Menschenhandel, Kidnapping, Vergewaltigung oder Mord zu werden. In den Transit- und Zielländern begegnet ihnen häufig Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Trotzdem ist die Not der Familien in ihren Herkunftsländern häufig so groß, dass ihnen keine andere Wahl bleibt, als diese Gefahren in Kauf zu nehmen.

"Unauslöschliche Bilder von einzelnen Kindern - wie das Foto des ertrunkenen Jungen Aylan Kurdi, der am Strand angespült wurde, oder das erschütterte und blutverschmierte Gesicht von Omran Daqneesh im Krankenwagen nach der Zerstörung seines Hauses - haben die Welt schockiert", sagte UNICEF-Exekutivdirektor Anthony Lake. "Aber jedes Bild eines Mädchens oder eines Jungen steht für Millionen von Kindern in Gefahr. Das erfordert sowohl unser Mitgefühl für jedes einzelne Kind, das wir sehen, als auch unser Handeln für alle Kinder."

Die wichtigsten Fakten zu Flucht und Migration von Kindern:

- Kinder sind von Flucht besonders betroffen: Unter 18-Jährige stellen nur rund ein Drittel der Weltbevölkerung, aber die Hälfte der Flüchtlinge. Rund 45 Prozent aller Flüchtlingskinder unter dem Mandat des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) kamen 2015 aus Syrien und Afghanistan.

- 28 Millionen Kinder sind vor Gewalt und Konflikt auf der Flucht. Dazu gehören zehn Millionen geflüchtete Kinder, eine Million Mädchen und Jungen in Asylverfahren und schätzungsweise 17 Millionen Kinder und Jugendliche, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind (Binnenvertriebene).

- Immer mehr Kinder und Jugendliche verlassen ihre Heimat allein, ohne den Schutz der Eltern. 2015 haben über 100.000 sogenannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in 78 Ländern Asyl beantragt - das sind drei Mal so viele wie 2014. Unbegleitete Flüchtlingskinder sind besonders von Ausbeutung und Missbrauch bedroht.

- Rund 20 Millionen Kinder haben aus unterschiedlichen Gründen ihr Heimatland als Migranten verlassen, beispielsweise um extremer Armut oder gewalttägigen Gangs zu entkommen. Viele von ihnen können leicht Opfer von Missbrauch werden oder werden eingesperrt, weil ihnen Papiere fehlen, sie einen unsicheren Rechtsstatus haben und ihr Wohlergehen nicht systematisch beachtet und erfasst wird. Kinder fallen häufig durch alle Raster.

Chancen durch Migration - für beide Seiten

Während die Türkei die größte Zahl an Flüchtlingen weltweit aufgenommen hat, beherbergt der Libanon die meisten Flüchtlinge pro Einwohner. Gemessen an ihrer Wirtschaftskraft haben hingegen die Demokratische Republik Kongo, Äthiopien und Pakistan die meisten Flüchtlinge zu versorgen.

In dem Bericht "Uprooted" setzt sich UNICEF für sichere und legale Zuzugsmöglichkeiten ein. Migration kann sowohl für die Kinder als auch für die Gesellschaften, in die sie zuwandern, große Chancen bieten. Einer Analyse zufolge zahlen Migranten in Ländern mit hohem Einkommen mehr Steuern und Sozialleistungen, als sie erhalten, füllen Lücken im Arbeitsmarkt und tragen zu Wirtschaftswachstum und Innovationen bei.

Bildung als Fluchtgrund - Flucht als Bildungshindernis

Fehlende Bildungschancen sind für viele Kinder und ihre Familien einer der Hauptgründe, ihre Heimat zu verlassen. Jedoch ist für Flüchtlingskinder die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht zur Schule gehen, fünf Mal so groß wie bei anderen Kindern. Wenn sie überhaupt zur Schule gehen können, leiden sie häufig unter Diskriminierung, unfairer Behandlung und Mobbing.

"Welchen Preis werden wir alle dafür zahlen, wenn es uns nicht gelingt, diesen jungen Menschen die Chance auf Bildung und eine normalere Kindheit zu geben? Wie sollen sie dann in der Lage sein, einen positiven gesellschaftlichen Beitrag zu leisten?", sagte UNICEF-Exekutivdirektor Anthony Lake.

Sechs Forderungen von UNICEF an die Regierungen:

- Geflüchtete und migrierte Kinder, insbesondere unbegleitete Kinder, müssen vor Gewalt und Ausbeutung geschützt werden.
- Die Inhaftierung von Kindern aufgrund ihres Aufenthaltsstatus muss aufhören.
- Die Wahrung der Familieneinheit ist der beste Weg, Kinder zu schützen und ihnen einen sicheren rechtlichen Status zu geben.
- Alle geflüchteten und migrierten Kinder müssen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung sowie psychosozialer Betreuung haben.
- Fluchtursachen müssen bekämpft werden.
- In den Transit- und Zielländern müssen Maßnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Marginalisierung gefördert werden.

Aktuelle Kampagne - jetzt mitmachen: Mit seiner aktuellen Kampagne "Letzte Chance für eine Kindheit" ruft UNICEF Deutschland zur Unterstützung für Kinder im Krieg und auf der Flucht auf.

Weitere Informationen: www.unicef.de/kindheit



Quelle: ots/UNICEF


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