Samstag, 26 Sep 2020
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DIW Econ untersucht, ob das Urheberrecht Innovationen fördert - Verantwortlich für die steigende Zahl der Neuerscheinungen ist aber in erster Linie die technische Entwicklung.

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Die Umsätze sinken, die Zahl der Neuerscheinungen steigt: Um mehr als die Hälfte sind die Umsätze der Musikwirtschaft seit dem Jahr 2000 eingebrochen. Trotzdem werden heute deutlich mehr neue Musikstücke veröffentlicht. Auch in der Filmbranche läuft die Entwicklung von Umsatz und Zahl der Neuerscheinungen auseinander. Ob ein strengerer Urheberschutz die Zahl der neu veröffentlichten Filme und Musikstücke steigen lässt, haben Anselm Mattes und Yann Girard von DIW Econ, dem Consulting-Unternehmen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), und Christian Handke von der Universität Rotterdam in einer Studie für die Expertenkommission Forschung und Innovation analysiert. Das Ergebnis: "Ein deutlicher Effekt lässt sich nicht nachweisen. Ein schwächerer Urheberrechtsschutz führt zwar in der Theorie zu einem sinkenden Angebot kreativer Werke. Dieser Effekt kann in der Realität allerdings nicht beobachtet werden - unter anderem deshalb, weil die Entwicklungs- und Verbreitungskosten in der digitalen Welt gering sind und daher auch immer mehr Amateure kreative Inhalte ins Netz stellen", erklärt Mattes.

Urheberschutz ist ein ökonomischer Balanceakt

Um die Wirkung des Urheberschutzes auf die Umsätze genauer bestimmen zu können, haben Mattes, Handke und Girard exemplarisch die Filmwirtschaft in Deutschland und zwölf anderen Ländern unter die Lupe genommen. Dabei fanden sie anhand von Regressionsanalysen heraus, dass sich der Ausbau leistungsfähiger Internetanschlüsse positiv auf die Einnahmen der Filmbranche auswirkt. Demgegenüber sinken die Umsätze statistisch hochsignifikant, wenn der Schutz geistigen Eigentums in einem Land gering ist. Auffällig ist: Trotz der Umsatzrückgänge lässt sich statistisch kein Effekt eines geringen Urheberschutzes auf die Zahl der Neuerscheinungen nachweisen. Allerdings sei die zur Verfügung stehende Datenlage unbefriedigend und die exakte Wirkung des Urheberrechts schwer zu quantifizieren.

Der Urheberschutz hat in der öffentlichen Diskussion im Zuge der Digitalisierung seit Ende der 1990er Jahre stark an Bedeutung gewonnen. Die Studienautoren weisen aber darauf hin, dass ein strenger Urheberschutz auch kontraproduktiv wirken könnte: So schaffen Urheberrechtsgesetze einerseits zwar Anreize für Künstler, in neue kreative Werke zu investieren, andererseits können jedoch Folgeinnovationen erschwert werden, wenn Künstler - darunter zunehmend auch Amateure - auf bereits vorhandenen, zu stark geschützten Werken aufbauen wollen. "Weitere Reformen des Urheberrechts müssen zwischen den Interessen professioneller Anbieter und den auf professionellen Inhalten aufbauenden kreativen Amateuren abwägen." Bei einer Auswertung von insgesamt 500 Videos fanden die Studienautoren heraus, dass professionell produzierte Inhalte mit einem Anteil von 46 Prozent noch immer die mit Abstand größte Gruppe der auf der Internetplattform YouTube abrufbaren Filme sind - vor den nutzergenerierten Inhalten mit einem Anteil von 33 Prozent. "Von einem weitgehenden Ersatz professioneller Inhalte kann nicht die Rede sein, zumal ein Großteil der Amateurvideos auf kommerziellen Werken aufbaut", so Mattes, Handke und Girard.



Quelle: DIW Berlin


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