Donnerstag, 24 Sep 2020
Foto: Freedom House / Flickr (CC)
 2-3 Minuten Lesezeit  518 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Er hatte oft Todesangst, aber auch immer wieder unwahrscheinliches Glück. Fünf Monate lang war der 31-jährige Rami aus Syrien unterwegs, um nach Deutschland zu fliehen. Mehr als 4000 Kilometer legte er zurück, passierte acht Grenzen. In einem trimedialen Projekt erzählt der NDR Ramis Flucht-Geschichte: im Fernsehen bei "Panorama 3", im Radio sowie online unter www.NDR.de/fluchtprotokoll. Start ist am Dienstag, 9. Juni.

Die Corona-Pandemie stellt einen schwarzen Schwan dar.
Foto: David Clode

Aktien ohne Halt

Als das Militär ihn holen will, steht sein Entschluss fest: Hals über Kopf bricht Rami in Damaskus auf. Er lässt alles zurück - seine Eltern, sein Haus, seinen Job als Anwalt. Er will nur raus aus Syrien, wo in den letzten Monaten viele seiner Freunde im Bürgerkrieg umgekommen sind. Sein Ziel: Deutschland. "Panorama 3"-Reporter Nino Seidel hat Rami am Anfang seiner Flucht im türkischen Mersin kennengelernt - und danach auf seiner Route regelmäßig getroffen. Und immer wieder hat Rami auf seinem Weg selbst mit seinem Smartphone Fotos gemacht und kleine Videos gedreht. "Ich wünsche mir, dass die Menschen verstehen, was ich und die vielen anderen auf uns nehmen, um ans Ziel zu kommen, um in Frieden zu leben", sagt er.

Auf diese Weise sind viele dramatische und eindringliche Situationen dokumentiert: wie Rami Schleusern ein halbes Vermögen zahlt, dann aber doch im Gefängnis landet. Wie er versucht, als Geschäftsmann getarnt per Flugzeug zu fliehen. Wie er probiert, in einem überfüllten Schlauchboot das Mittelmeer zu überqueren. Wie er sich mit anderen Flüchtlingen in sumpfigen Wäldern versteckt. Wie er immer wieder auf die deutsche Bundespolizei trifft, die nicht nur in Deutschland die Grenzen sichert. Wie er nach tagelangem Marsch von der so genannten Todesroute zurückkommt, verprügelt und ausgeraubt. Viele Versuche, die Grenzen Europas zu überwinden, scheitern. Bis es dann endlich klappt, nach mehr als fünf Monaten.

Meistens ist Rami optimistisch, in vielen Momenten aber auch am Boden zerstört. Ohne Hoffnung ist er nie. Am Ende seiner Begegnungen mit dem Autor sagt er fast immer: "Wir sehen uns in Deutschland!" So lautet dann auch der Titel des Projekts. Es ist das Dokument einer Flucht, wie sie täglich passiert. So dicht und detailliert ist sie jedoch noch nie geschildert worden.

Frank Beckmann, NDR Programmdirektor Fernsehen: "‘Flucht‘ ist eines der großen Themen unserer Zeit. Ramis Geschichte steht stellvertretend für die vieler tausender Menschen dieser Monate. Unseren Kollegen ist es gelungen, dieses komplexe Thema mit einer enormen Tiefe zu erzählen - und zwar multimedial. Ich freue mich, dass wir hier ganz neue Wege in der Berichterstattung einschlagen."

"Panorama 3" berichtet ab dem 9. Juni in vier Folgen jeweils dienstags um 21.15 Uhr im NDR Fernsehen über Ramis Flucht. Auch im Radio ist seine Geschichte Thema, unter anderem bei NDR Info und N-JOY. Online gibt es ein besonderes Flucht-Tagebuch: In einer Art Echtzeit-Protokoll können die Nutzerinnen und Nutzer Ramis Geschichte zwei Wochen lang komprimiert verfolgen: auf www.NDR.de/fluchtprotokoll sowie auf der "Panorama"-Facebookseite, mit persönlichen Einblicken über private Fotos und Handyvideos. Am Ende der Geschichte können User in einer Multimedia-Doku nochmal alle Videos anschauen, angereichert mit Hintergrundinfos, unter anderem zur aktuellen Flüchtlingspolitik.

Mehr Informationen zu "Panorama 3" finden Sie unter www.NDR.de/panorama3.

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